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Dialektologisches Informationssystem für Bayerisch-Schwaben (DIBS)

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Der schwäbisch-alemannische Wortschatz in Bayern – Erforschung und Dokumentation

Das Dialektologische Informationssystem von Bayerisch-Schwaben (DIBS), das im Netz frei zugänglich sein wird (die Belegdatenbank [LInk] ist es bereits), erforscht und dokumentiert den dialektalen Wortschatz des schwäbisch-alemannischen Teils von Bayern. Das Gebiet liegt zwischen Iller und Lech; im Süden, Westen und Norden ist die Grenze identisch mit der Bezirksgrenze von Bayerisch-Schwaben. Im Osten reicht das Bearbeitungsgebiet nur bis zum Lech, da das Gebiet östlich des Lechs im Bayerischen Wörterbuch behandelt wird.

DIBS ist ein Grundlagenforschungsprojekt an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW). Es ist seit August 2017 dort angesiedelt und wird von einem Ausschuss mit sieben Mitgliedern geleitet. Ausschussvorsitzender und Projektleiter war bis Februar 2019 Prof. Dr. Werner König, seither ist es Prof. Dr. Alfred Wildfeuer. Ein Beirat mit elf Mitgliedern begleitet und berät den Ausschuss.

Das Projekt ist auf 20 Jahre konzipiert, bis 2021 finanziell gesichert und verfügt über eine Mitarbeiterstelle, die sich zwei Redaktorinnen teilen. Zusammen mit den Projekten Bayerisches Wörterbuch und Fränkisches Wörterbuch teilt es sich ein IT-Stelle. Derzeit ist es in den Räumen des Bayerischen Wörterbuchs untergebracht.

Dokumentation des gesamten Wortschatzes

Zentrales Ziel ist es, den gesamten Wortschatz des beschriebenen Gebiets in einzelnen Wortartikeln zu dokumentieren und zu beschreiben. DIBS ist aber kein historisches Wörterbuch wie das Bayerische Wörterbuch. Der Großteil der über 600.0000 gesammelten Belege stammt aus dem 20. Jahrhundert.

DIBS bietet Informa­tionen über die unterschied­lichen Bedeutungen, die grammatischen Eigenheiten, über die geographische Verbreitung und die Herkunft eines Wortes. Die Wörter werden Wortfamilien zugewiesen und semantisch kategorisiert. Typische Belege werden zitiert, um die Verwendung eines Wortes im Satz zu demonstrieren. Auch der gesamte idiomatische Bereich wird beschrieben, wie z.B. Vergleiche, Redensarten, Sprichwörter und Sprüche. Wenn es für das Verständnis eines Wortes wichtig ist, werden auch volkskundliche Informationen, etwa zu bestimmten Bräuchen, sowie sachkundliche Erklärungen berücksichtigt.

Vorarbeiten von Brigitte Schwarz, die auch die Publikation eines gedruckten einbändigen Wörterbuchs beinhalteten, haben gezeigt, dass das bisherige Standardwerk, Hermann Fischers Schwäbisches Wörterbuch (1904–1936 erschienen) für den schwäbischen Teil Bayerns sehr große Lücken aufweist. Sie sollen mit diesem Projekt geschlossen werden.

Online verfügbar für alle

Es wird ein Portal geschaffen, in dem der dialektale Wortschatz des schwäbisch-alemannischen Teils Bayerns in Wörterbuchartikeln, aber auch das gesamte gesammelte, diesen Artikeln zugrundeliegende Material öffentlich und kostenfrei abrufbar ist.

Komfortable Suchfunktionen werden die Erschließung unter den verschiedensten Gesichtspunkten möglich machen. DIBS soll z.B. nicht nur nach bestimmten Ausdrücken, nach grammatischen Formen, nach Wortfamilien, nach seinen idiomatischen Verwendungen durchsucht werden können, sondern auch nach semantischen Gesichtspunkten.

Die Wortartikel und das dazugehörige bzw. zugrunde liegende Material sollen nicht erst zum Abschluss des gesamten Wörterbuchs online gestellt werden, sondern sukzessive unmittelbar nach ihrer Fertigstellung.

DIBS – nicht nur ein Wörterbuch

Die digitale Erarbeitung von DIBS erlaubt viele Möglichkeiten der Vernetzung innerhalb des Wörterbuchs und auch außerhalb mit anderen (nicht nur lexikographischen) Projekten. Geplant ist darüber hinaus der fortlaufende Einbezug nicht nur von schriftlichen Medien, sondern auch von Bild- und Tondokumenten, um neue Dimensionen der Rezeption über die sinnliche Wahrnehmung zu ermöglichen. Auch die ins Primärmaterial eingegangenen Quellen, wie z.B. von Laien verfasste Wortsammlungen oder Wörterbücher zu bestimmten Orten oder Regionen, werden gescannt und sollen als Faksimiles mit den entsprechenden Stichwörtern verlinkt und einsehbar werden.

Ein weiteres Ziel ist auch die permanente Fortschreibung und Anpassung der einzelnen Artikel bzw. des gesamten Projekts an eine erweiterte Datenlage, aber auch an Verbesserungswünsche, die die Nutzer an das System stellen. Denn es ist beabsichtigt, im Sinne von „citizen science“ mit den Nutzern in einen Dialog zu treten und ihnen die Mitarbeit am Projekt zu ermöglichen.

DIBS kann aber auch wie ein Wörterbuch im klassischen Sinn gebraucht werden, seine Artikeln können wie in einem traditionellen Print-Wörterbuch gelesen wer¬den. Damit sollen auch Benutzer zufrieden gestellt werden, die den Umgang mit gedruckten Wörterbüchern gewohnt sind und in einem Wörterbuch blättern und schmökern möchten.

DIBS ist formal und inhaltlich so angelegt, dass auch eine klassische Print-Ver¬sion möglich ist, wenn einmal zu allen Stichwörtern Artikel verfasst sind. Eine zusätzliche gedruckte Version war von Anfang des Projekts an bereits geplant, auch die Datenbank wurde entsprechend konzipiert.

Alle Dialekte Bayerns versammelt

Mit DIBS schließt sich ein Kreis: Die Wortschätze aller drei Großdialekte des Freistaats Bayern werden jeweils durch ein Projekt der BAdW erfasst und beschrieben.

Die drei Projekte Bayerisches Wörterbuch, Fränkisches Wörterbuch und DIBS sollen ein gemeinsames  Online-Portal, Bayerns Dialekte Online (BDO), zu bilden. In dieses soll auch die Datenbank mit den Materialien aller bayerischen Sprachatlanten (BayDat) integriert werden. Durch Verlinkungen mit anderen dialektologischen Projekten, wie z.B. Verba Alpina, könnte der gesamte Wortschatz aller Mundarten in Bayern schnell und einfach erschließbar gemacht werden.

Förderung

Das Wörterbuch wird vom Freistaat Bayern mit Mitteln für eine Mitarbeiterstelle gefördert und ist vorerst bis Ende 2021 begrenzt.